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Der nikotinfreie Wahnsinn ist vorbei.

Aktualisiert: Jan 1

Ab dem 1. Januar tritt die im September verabschiedete Änderung des TabakerzG. in Kraft. Welche Veränderungen sind zu erwarten?


Auf der einen Seite war die Erleichterung groß, dass der Gesetzgeber die nikotinfreien Produkte ebenfalls reglementiert, andererseits brachte die Gesetzesänderung auch ein paar böse Überraschungen mit sich.


Auch wenn es einige Hersteller von nikotinfreien Produkten ärgern wird, gibt es positive Seiten an der Gesetzesänderungen. In einem Blogartikel vor einem Jahr "Wachstum im unkontrollierten Bereich", thematisierte ich bereits die möglichen Gefahren dieser Produkte. Mit der Registrierungspflicht der nikotinfreien Produkte, ist nun jeder Hersteller dazu verpflichtet die genauen Rezepte, Inhaltsstoffe und vor allem die Emissionswerte seines Produktes auf der Plattform der EU (eTrustEx) hochzuladen.


Dies bedeutet natürlich einen Mehraufwand für die Hersteller, aber schützt die die Branche gleichzeitig vor schwarzen Schafen, die in der Vergangenheit auch die verbotenen Substanzen aus der Anlage 2. der TabakerzV. in ihren Produkten ließen. Neben dieser Tatsache kommt hinzu, dass vor allem im semi-professionellen Bereich eher der Geschmack des Produktes, statt die tatsächliche Qualität und Gefahr relevant war. In der Vergangenheit wurden teilweise auf abenteuerlichen Wegen Aromen eingekauft, die weit weg von der pharmazeutischen Qualität - noch für das Verdampfen geeignet waren. Geschweige dessen fehlte der Sachverstand, um die Qualität oder die Schädlichkeit der gelieferten Inhaltsstoffe überhaupt zu prüfen.


Zuerst möchte ich an dieser Stelle nochmal klarstellen, dass es viele seriöse Hersteller gibt, die auch nikotinfreie Liquids in höchster Qualität anbieten. Das soll an dieser Stelle bitte berücksichtigt werden.


Im Nachhinein könnte man diese Zeilen als Panikmache interpretieren. Aber es hätte auch nur ein Fall ausgereicht, um eine Stimmungslage wie im September letzten Jahres zu erzeugen. In den Vereinigten Staaten waren es auch "nur" eine Handvoll Krimineller, die Vitamin-E -Acetat in ihren Cannabis Liquids bzw. Pods mischten. Das Ergebnis waren laut CDC mehr als 68 Tote und 2807 stationäre Behandlungen.


Darüber hinaus gab es einen Feldzug gegen die E-Zigarette, der unter anderem ein allgemeines Verbot für E-Zigaretten in San Francisco bewirkte und die Zahl an Umsteigern auch in Deutschland drastisch senkte. Neben dem bedauernswerten menschlichen Schaden war der wirtschaftliche Schaden in der Branche weltweit groß, da die EVALI-Fälle natürlich stark verallgemeinert wurden. Es hieß nicht "Vitamin-E-Acetat", sondern "E-Zigaretten" verursachen die Lungenkrankheit.


Dieses Szenario blieb glücklicherweise für ein nikotinfreies Produkt aus. Dennoch zeigt die Pressemeldung des BfR, dass man sich dieser Gefahren oder Lücken durchaus bewusst war. Durch die Registrierung wird es nun die Möglichkeit geben Liquids mit gefährlichen Substanzen schnell zu identifizieren und die Hersteller zu kontaktieren. Die Wirkung von verdampften Aromen und anderen Substanzen wird laufend weiter erforscht. Es werden weitere Verbote und auch Diskussionen, wie bei Alpha-Damascone oder Sucralose folgen. Durch die Erfassung in der Datenbank wird potenzielles Risiko allerdings gemindert und das könnte das Vertrauen in E-Zigarette langfristig stärken.


Eine Niederlage für die ganze Branche sollte dagegen das Außenwerbeverbot ab 2024 sein. Unter dem Mantel des vermeintlichen Jugendschutzes wurde die E-Zigarette wieder einmal in das Licht der Tabakzigarette gerückt. Auch wenn die Übergangsfrist länger ist, als bei anderen Produkten, dürfte dieser Einschnitt der Branche nachhaltig schaden und die Abhängigkeit von POS-Marketing verschärfen. Die Kritik an Big Tobacco war in der Vergangenheit zwar immer groß, allerdings war die Außenwerbung von MyBlu, Vype und Juul ein Faktor für die zunehmende Bekanntheit der E-Zigarette und ihrer Schadstoffminderung. Dieser Faktor wird in einigen Jahren ausbleiben.


M.P.


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