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Pod-Systeme - wohin geht die Reise? Teil 1

Aktualisiert: 26. Juni 2019

Pod-Systeme erfreuen sich in Deutschland seit 2018 immer größerer Beliebtheit. Die E-Zigarette schrumpft weiter, ohne dabei an Geschmack oder hochwertigen Dampfverhalten einzubüßen. Da das Thema nicht an Bedeutung verlieren wird, gibt es hier ein wenig Input:


Welche Pod-Systeme gibt es?


Da ich in meinem Blog nur den B2B-Bereich ansprechen will, erspare ich mir eine Definition, die viele Leser nur langweilen würde. Stattdessen möchte ich die bestehenden Pod-Systeme einmal anschaulich darstellen.



Zuerst einmal muss zwischen zwei Systemen unterschieden werden. Den offenen (o.) und den geschlossenen (g.) Systemen. Bei den g. Systemen wird der gefüllte Pod, ähnlich wie bei Nespresso, regelmäßig nachgekauft. Der Pod passt auch nur auf die passende Hardware und kann in der Regel nicht aufgefüllt werden. Im Idealfall bindet sich der Kunde an einen Hersteller und kauft die Pods mit unterschiedlichen Geschmäckern nach.


Diese Kategorie ist natürlich hochinteressant für die Tabakkonzerne, da die Produkte kaum Beratung brauchen und ideal in den bestehenden Vertriebswegen angeboten werden können. Darüber hinaus ist diese Kategorie äußerst benutzerfreundlich, was vielen Umsteigern aus dem klassischen Tabakfachhandel zu Gute kommt. Im Idealfall bindet man den Kunden an eine Marke und versorgt ihn flächendeckend mit Pods. Bei den g. Systemen ist die Registrierung von Liquids und E-Zigarette vollständig und für jedes Land neu zu erledigen. Dazu kommen weitere Verpflichtungen in der Produkthaftung und im Verpackungsdesign. Dieser Aufwand lohnt sich erst ab einer bestimmten Größe. Auch aus diesem Grund ist die Anzahl der Anbieter so gering.


Bei den o. Systemen können dagegen leere Pods gekauft und beliebig nachgefüllt werden. Bei einigen dieser Modelle lässt sich sogar der Coil austauschen. Der Kunde kann hier sein Lieblingsliquid oder weitere Liquidsorten flexibel nachfüllen. In der Regel bietet der Hersteller auch kein eigenes Liquid, da die Registrierung und die Compliance-Aufgaben für Liquids erst ab einer gewissen Größe Sinn machen.


Die o. Systeme sind vor allem für die etablierten E-Zigaretten und Liquid-Hersteller vom größten Interesse. Der Vorteil bei den o. Systemen ist, dass die Hersteller in Ihrem Kompetenzbereich bleiben und nicht noch die Produktion und Registrierung von E-Zigaretten oder Liquids übernehmen müssen. Sollte der Pod-Hype weitergehen und zu einem Aussterben von Mods und größeren Verdampfern führen, wäre es die einzige Möglichkeit weiterhin im Geschäft zu bleiben.


Neben den ganz banalen Unterschied der Pods, gibt es aber noch weitere interessantere Unterschiede zwischen o. und g. Systemen. Dabei sind drei Bereiche besonders relevant.


  1. Die Akkukapazität der bisherigen g. Systemen ist deutlich geringer.

  2. Das Tankvolumen von gefüllten Pods ist kleiner.

  3. Die Bandbreite an Widerständen ist bei g. Systemen deutlich geringer.


Die geringere Akkukapazität könnte leicht verändert werden, sodass der Nachteil nicht so schwer wiegt. An dieser Stelle muss auch erwähnt werden, dass beim hochohmigen Dampfen weniger Leistung benötigt wird. Trotzdem muss das Gerät bei starker Nutzung in der Regel während eines Tages aufgeladen werden.


Das Tankvolumen und die Bandbreite der Widerstände sind jedoch relevanter. Der regelmäßige Kauf von kleinen Pods bleibt eine teure Angelegenheit. Selbst der Vergleich mit einem 10 ml Liquid für 5,95€ ist immer noch dramatisch. 10 ml Liquid aus Pods kosten zwischen 23€ bis 40€. Sind die Kunden erstmal von der E-Zigarette überzeugt, liegt ein Wechsel in ein anderes System nahe.


Ein weiterer starker Nachteil ist die Eingrenzung auf den MTL-Bereich. Ein großer Teil der dt. Dampfer ist auf den DTL-Bereich umgestiegen und dampft dazu auch Liquid mit höherem VG-Anteil. Das gewünschte Zugverhalten ist mit den bisherigen g. Systemen so nicht möglich. Durch einen PG von bis zu 60% wirkt das passende Liquid außerdem zu „kratzig“.


Die großen Werbekampagnen haben dazu geführt, dass viele Raucher auf die einfachste E-Zigarette umgestiegen sind. Unter etablierten Dampfern wird die Geräteklasse jedoch nur als Zweit- oder Drittgerät verwendet.


Welche Designs haben sich etabliert?





Viele denken bei Pod-Systemen automatisch an einen kleinen schicken Vape-Pen, wie Juul, myblue oder die Uwell Caliburn. Doch neben dem klassischen Pen tauchen zwei wichtige Kategorien auf.


„Individual“ - dampfende Kreditkarten, runde Steine oder dampfende USB-Sticks. Diese Kategorie meint die ingesamt etwas breiteren, fast quadratischen Geräte. Nach dem Erfolg der Sourin und des MiPod ist das Design von Pod-Systemen deutlich diverser geworden. Der größte Vorteil scheint tatsächlich die optische Abweichung zu klassischen E-Zigaretten zu sein. Die MiPod ist z.B. mit ihren verschiedenen Varianten eher zu einem modischen Accessoires geworden, als zu einer E-Zigarette. Die Assoziation zu klobigen Akkuträgern mit großen Dampfwolken bleibt vollkommen aus. Neben den optischen Aspekten können weitere technische dazu kommen. Es hängt jedoch stark ab, wie das Design im Einzelfall ist.


„Pod-Mods“ - oder einfach kleine E-Zigaretten? Die Lost Vape Orion oder Smok Trinity sind Beispiele, die diese Klasse gut abbilden. Im Grunde könnte man von einer gewöhnlichen E-Zigarette sprechen. Aber statt des klassischen runden Verdampfers gibt es einen ungefüllten Pod. Ein Großteil der Geräte kann sogar mit unterschiedlichen Coils genutzt werden und ermöglicht das MTL- und DTL-Dampfen. Das ist ein riesiger Vorteil (s.o)! Neben dieser Variation sorgen die hochwertigeren Coils für ein besseres Dampfverhalten. Während der Coil eines geschlossenen Pods wegen seiner einmaligen Nutzung möglichst günstig bleiben muss, können die Coils in offenen Systemen mehrfach verwendet und sogar ausgetauscht werden. Falls ein Pod mit einem unangenehmen Liquid gefüllt ist, kann dieser einfach entleert und mit einem neuen Coil ausgestattet werden. In diesem Fall muss nicht die gesamte Einheit aus Pod und Coil weggeschmissen werden. Dazu kommt noch das größere Tankvolumen von bis zu 3ml. Da laut TPD2 nur „catridges“ (Begriff im Gesetzestext) mit bis zu 2ml erlaubt sind, bleibt spannend, ob die Geräte weiterhin als Pod-Systeme vermarktet werden dürfen. Betrachtet man den Pod aber als klassischen Verdampfer, sollte dieser Aspekt irrelevant bleiben. Zuletzt ermöglicht die Bauweise Akkukapazitäten von bis zu 1100 mAh. Das drei- bis vierfache von den bekannten g. Pod-Systemen.


Wohin geht die Reise?


Meiner Einschätzung nach könnten Pod-Mods enorm wichtig werden, da viele Kritikpunkte der klassischen Pod-Systeme wegfallen. Natürlich wird das Dampfverhalten und der Geschmack noch lange nicht an einen guten Selbstwickler herankommen. Betrachtet man aber die Entwicklung der letzen Jahre und unterstellt eine exponentielle Entwicklung, so könnte es bald ein Pod-System mit dem Geschmack und dem Dampfverhalten eines Selbstwicklers geben. Die Pod-Mods wären dafür prädestiniert.


Würden Sie Ihrer E-Zigarette treu bleiben, wenn Sie ein handliches, schickes Pod-System mit Geschmack à la Brunhilde kaufen könnten? In drei Jahren sollten Sie vor dieser Entscheidung stehen. Bis dahin wünsche ich Ihnen gute Geschäfte.


Grüße aus einem warmen Büro aus Westdeutschland.


M.P.




Im zweiten Teil folgen diese Themen:


Technologieführerschaft unter den Pod-Systemen.

Welche Chancen und welche Risiken bergen Pod-Systeme für den Fachhandel.

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