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The Hall of Vape 2019 - Pods, CBD und Drohkullissen

Die Hall of Vape war wieder einmal eine gelungene Veranstaltung. In den drei Hallen ließen sich viele neue Liquids & E-Zigaretten bewundern. Zeit für eine kleine Momentaufnahme und Einordnung.


Pod-Hype


Wie die Überschrift schon vermuten lässt, stellten die meisten E-Zigaretten-Hersteller ihr eigenes Pod-System in den Mittelpunkt. Bereits im Vorjahr gab es schon die ersten guten Pod-Systeme namenhafter Hersteller wie Aspire, Vaporesso, Eleaf und Joyetech. Jedoch waren die Pod-Systeme bei den meisten Herstellern nur eine von vielen Produktkategorien, wie z.B. Sub-Ohm-Geräte, MTL-Geräte oder All-in-One-Geräte. Das hat sich gerändert.


Beeindruckt von den Erfolgen von Juul und Blu, rücken die Pod-Systeme immer mehr in den Vordergrund. Die Hersteller wollen neben dem stärkeren Erstgerät, auch das kleine, handliche Zweit- oder Drittgerät verkaufen. Ein Blick auf die Social-Media-Kanäle der bekannten Vape-Influencer, lässt dies bestätigen. Im deutschen Raum ist ca. jede vierte abfotografierte E-Zigarette eines Vape-Influencers ein Pod-System. Im amerikanischen Raum ist der Anteil noch größer. Jede zweite bis dritte abfotografierte E-Zigarette ist dort ein Pod-System.


Technisch sind die Pod-Systeme von Aspire, Uwell oder Eleaf mindestens auf einer Höhe mit den bekannten Geräten von Blu, Juul oder Vype. Jedoch liefern die chinesischen Hersteller keine vorgefüllten Pods, die im dt. Handel nachgekauft werden können. Hier liegt noch der große Nachteil. Pod-Systeme sind der Innenbegriff von Convenience im E-Dampfen. Ist die Verfügbarkeit von vorgefüllten Pods im Handel nicht gegeben, muss der kleine Pod mühsam mit eigenem Liquid befüllt werden. Für einige Dampfer sind offene Pod-Systeme ein Segen, aber für viele Umsteiger und Pod-System-Nutzer eine nervige Angelegenheit.


Die spannende Frage lautet: Welchem Hersteller gelingt ein Deal mit einem gut aufgestelltem Liquid-Hersteller in Europa? Der reine Hardware-Verkauf von Ersatzteilen, Akkuträgern und Verdampfern könnte dann durch vorgefüllte Pods lukrativ erweitert werden.


CBD everywhere.


Es mag einige Besucher verwundert haben, dass Tiernahrung, Handcreme oder Öle auf der HoV zu finden waren. CBD ist aber schon seit dem letzten Jahr ein fester Bestandteil des Vape-Businesses geworden. Während im letzten Jahr viele CBD-Hersteller ein eigenes Liquid anboten, scheint es in diesem Jahr so, dass die bekannten Liquid-Hersteller ihr eigenes CBD-Produkt entwickelt haben.


Die Regulierung von CBD ist noch nicht weit fortgeschritten. Die Nachfrage nach CBD-Liquids steigt jedoch rasant. Dafür haben die etablierten Hersteller auch Antworten gefunden. Durch die große Bekanntheit von Marken wie Dinner Lady oder BangJuice, wird es den CBD-Herstellern sicherlich schwieriger fallen ihr eigenes CBD-Liquid zu vertreiben. Neben der Bekanntheit sind die Geschäftsbeziehungen vieler Liquid-Hersteller wesentlich länger, als die der CDB-Hersteller. Die entscheidende Frage lautet hier:

Nutzt der Händler nun lieber auf die bekannte Liquid-Marke mit CBD oder auf ein Liquid eines CDB-Herstellers?


Diese Frage wird sich sicherlich bis zum Ende des Jahres besser beantworten lassen. Spätestens bei einer Verschärfung der Regulierung oder weiteren Maßnahmen wie in München (“Großrazzia wegen CBD" / vaper.guru) werden die Karten neu gemischt. Das Thema CBD sollte jedoch im Blickfeld der Händler bleiben.


Drohkullissen


Einer meiner persönlichen Highlights der HoV waren jedoch die Vorträge von Prof. Mayer, Herrn Jazbinsek und Herrn Hahn. Für alle, die die Technologie E-Zigarette und ihr Potenzial verstehen, mag es immer noch paradox sein mit welchem Gegenwind die E-Zigarette zu kämpfen hat. Die Beiträge der Experten lieferten hier sehr interessante Antworten.


Der Vortrag von Herrn Jazbinsek mit dem Titel "Warum hat der Wolf so große Zähne?", lieferte spannende Thesen zu der Verflechtung von Dampfer- und Tabakbranche. Vor allem skizzierte er eine Drohkulisse in der die Dampferbranche existenziell bedroht ist, weil sie sich nicht klar von der Tabakinsdustrie distanziert.


Im letzten Jahr akquirierte B.A.T. (British American Tobacco) die Dampfershop-Kette Highendsmoke durch eine erste große Übernahme in der Branche. Reentsma und Philip Morris setzen dagegen mit "Blue" und "Juul" auf ihre eigenen Pod-Systeme, die mit landesweiten Marketingkampagnen beworben werden. Die Tabakindustrie wird selbstverständlich noch weiter in der Branche investieren, um keinen "Kodak-Moment" zu erleben. Spannend bleibt aber wie das weitere Vorgehen aussehen wird.


Neben weiteren Übernahmen in der Branche könnten auch komplexere und teurere Registrierungsprozesse der Produkte vieles verändern. Die Markteintrittsbarrieren wären somit deutlich höher und schlichtweg zu aufwändig für mittlere und kleinere Marktteilnehmer. Ein weiteres Szenario könnte das Verbot von offenen Systemen sein. Hierbei wäre das Dampfen nur noch über die geschlossen Pod-Systeme möglich. Wer in dieser Produktkategorie besonders stark ist und profitieren würde, muss wohl nicht erwähnt werden.


Wo geht die Reise hin?


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine gute Stimmung unter den meisten Marktteilnehmern herrscht. Die TPD2 und die Vielzahl an neuen Mitbewerbern hat zu einem Kostendruck und einer Professionalisierung geführt. Der Wettbewerb hat sich seit 2016 zunehmend verschärft. Gleichzeitig hat die Branche aber auch Wachstumspotenziale wie CBD und Pod-Systeme erkannt und in den Handel gebracht.


Das Geschäft mit der E-Zigarette ist vom scheinbaren Selbstläufer zur anspruchsvollen Herausforderung geworden. Die Fluktuation wird wahrscheinlich zunehmen und zu einer weiteren Marktbereinigung führen. Die kleinen Vape-Shops und vor allem kleinere nikotinfreie Liquid-Hersteller werden sich weiterentwickeln müssen. Nur die entwicklungsfähigen Marktteilnehmer mit hoher Kosteneffizienz und geschicktem Marketing werden weiterhin erfolgreich bleiben.


M.P.






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